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Warum es so wichtig ist, Gefühle zuzulassen

Eltern oder auch Paare, die Eltern werden wollen, sollten in der Lage sein, sich selbstkritisch zu hinterfragen, rät Stefanie Stahl, Psychologin und Bestsellerautorin von „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Übungen dazu bietet sie mit Berufskollegin Julia Tomuschat in ihrem neuen Ratgeber. Ein Gespräch über Bindung, alte Muster, schlechte Prägungen und die Bedeutung von Einfühlungsvermögen.

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Von Insa van den Berg

Kann man ein Kind zu sehr lieben? Wie sollen wir Grenzen setzen? Wann müssen wir loslassen? Ihrer Meinung nach kann man all diese Fragen mit drei Grundbedürfnissen beantworten: Bindung, Selbstständigkeit und Selbstwert.

Stefanie Stahl: Bindung und Autonomie sind die Prinzipien, um die sich die ganze Welt dreht. Sie sind die Grundlage unseres Lebens, damit einhergehend auch das Selbstwertgefühl. Bei der Bindung geht es um das Verbindende, das Miteinander, Verständnis füreinander, Wohlwollen, Zugewandtheit. Bei der Autonomie stehen die Fragen im Zentrum: Wie unterscheide ich mich von dir? Wann muss ich meinen eigenen Weg gehen? Die Prinzipien Bindung und Autonomie bestimmen nicht nur das Zusammenleben von zwei Menschen, sondern das ganzer Gesellschaften.

Gerade in stressigen Momenten ähneln wir unseren Eltern. Es anders machen zu wollen als sie ist zum Scheitern verurteilt?

Nein, nicht zwangsläufig. Viele Eltern ertappen sich aber dabei, dass sie Sprüche raushauen, die sie von den eigenen Eltern zu hören bekommen haben. Sie hatten sich fest vorgenommen, so etwas niemals zu sagen. Aber wenn wir unter Stress stehen – und das tun Eltern ja leicht, weil die Anforderungen der Elternschaft und des modernen Lebens groß sind –, passiert es schnell, dass wir in alte Muster zurückfallen. Dann ist es wichtig, auf sich selbst zu gucken, sich zu fragen: Was sind meine Trigger-Knöpfchen?

Überspitzt gesagt: Sollten Menschen aus problematischen Verhältnissen also zunächst eine Therapie machen, bevor sie Kinder bekommen?

Diesen Anspruch halte ich für zu hoch. Aber es wäre schon toll, wenn es Elternschulungen gäbe. Es ist gut, wenn man sich vieler eigener Probleme bewusst ist. Dann müssen wir keine schlechten Prägungen an unsere Kinder weitergeben. Das ist der Grund, warum unsere Welt sich so schleppend weiterentwickelt. Alte Muster durch ganze Generationen durchzureichen: Das kann man nur durch Selbstreflexion unterbrechen.

Machen Paare sich im Vorfeld so wenig Gedanken über ihre Elternschaft?

Bei vielem ist es so, dass man es erlebt haben muss. Da ist unsere Vorstellungskraft begrenzt, wie anstrengend Elternschaft wirklich sein kann. Wir unterscheiden zwischen angepassten und autonomen Eltern. Bei den angepassten Eltern ist das Bindungsbedürfnis eher zu stark. Das kann daran liegen, dass sie diesbezüglich in ihrer eigenen Kindheit zu kurz gekommen sind. Ihre Kinder füllen dieses Defizit ein Stück weit auf. Die Eltern genießen die Kleinkindzeit und die sehr enge Bindung zum Kind. Die größere Herausforderung ist, wenn sie ihre Kinder loslassen müssen. Die autonomen Eltern sind aufgrund eigener Kindheitserlebnisse eher bei ihrem Freiheitsbedürfnis aus der Balance. Sie haben sich vorgenommen, sich nicht mehr anzupassen und alles allein hinzubekommen. Sie fühlen sich von Ansprüchen kleiner Kinder zu stark vereinnahmt. Es kann Fluchtimpulse auslösen, bei Vätern zum Beispiel den, sich schnell wieder in die Arbeit zu stürzen. Diesen Eltern fällt es leichter, wenn die Kinder größer werden. Das liegt daran, dass die Ansprüche von größeren Kindern die eigene Autonomie nicht so sehr bedrohen.

Denken Menschen wirklich so wenig über sich nach, wie Ihr Buch es nahelegt?

Es gibt Menschen, die gern über sich nachdenken: Was hat mich geprägt? Wie ist mein Selbstwertgefühl? Die große Masse macht das seltener und ist stärker in der äußeren Welt verhaftet. Einige verdrängen, weil sie Angst haben, dass schmerzhafte Erinnerungen hochkommen. Ich würde sagen, was die Selbstreflexion angeht, befinden wir uns im Mittelalter. Das wir uns weiterentwickeln sollten, muss in den Köpfen der Menschen ankommen. Gott sei Dank gibt es dazu die ersten Ansätze. Gerade bei jüngeren Generationen ist die persönliche Weiterentwicklung ganz großgeschrieben. Darauf liegt große Hoffnung.

Sie machen Einfühlungsvermögen als Schlüssel für Vertrauen aus. Wie kann man lernen, einfühlsamer zu sein?

Menschen, die Probleme mit dem Einfühlungsvermögen haben, haben meist wenig Kontakt zu ihren eigenen Gefühlen, zumindest zu problematischen wie Angst, Trauer, Hilflosigkeit. Das kann daran liegen, dass sie nach Glaubenssätzen wie „Jungen weinen nicht“ sehr männlich sozialisiert sind. Daher haben Männer auch häufiger als Frauen Probleme, sich einzufühlen. Es kann ansonsten daran liegen, dass sie in ihrer Kindheit schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben. Als Überlebensstrategie haben sie sich abtrainiert zu fühlen. Wenn ich mich aber in mein Kind einfühlen will, dessen bester Freund nicht mehr mit ihm spielen will, muss ich eine Idee haben von meiner eigenen Trauer. Wie fühlt sich Ablehnung für mich an? Ich sollte also lernen, mehr Kontakt zu meinen eigenen Gefühlen aufzunehmen und ihnen Raum zu geben. Der andere Weg ist, genau hinzugucken und gut zuzuhören. Wir alle tragen Brillen mit einer leichten Wahrnehmungsverzerrung. Sie sind ursächlich dafür, dass wir anderen leicht Motive oder Bedürfnisse unterstellen, die wir jedoch aufgrund eigener Erfahrungen falsch interpretiert haben. Diese Filter sind ein grundsätzliches Problem in der Kommunikation. Unser Buch soll trainieren, die Wirklichkeit möglichst objektiv wahrzunehmen.

Redaktionsnetzwerk Deutschland, 12. Dezember 2018

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Gegen das Vergessen singen

Studien zeigen, dass Singen positive Effekte auf Demente hat. Sie werden mobiler. Aggressive Patienten hingegen kommen zur Ruhe. Doch das Musizieren kann auch den Alltag von pflegenden Angehörigen oder in Heimen erleichtern. In Sachsen schreitet jetzt eine Opernsängerin zur Tat.

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Von Insa van den Berg

Erst hat Maartje de Lint es kaum für möglich gehalten, dann für einen Zufall: Der demente Mann im Publikum, der zur Überraschung seiner Angehörigen aus dem Rollstuhl aufstand. „Nach vielen Jahren zum ersten Mal“, erzählt die Opernsängerin. Wenig später traf sie im Urlaub auf eine stark in sich gekehrte Frau. Als die Niederländerin für sie sang, begann die ältere Dame wieder zu sprechen. „Das waren Aha-Momente für mich, was man mit dem Musizieren auch bei von Demenz betroffenen Menschen erreichen kann.“

Bei Dementen verschlechtert sich die geistige Leistung. Ihre selbstständige Lebensführung wird dadurch beeinträchtigt. Etliche Betroffene ziehen sich immer mehr in sich zurück, sprechen kaum noch. Andere werden aggressiv. Demenz an sich ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Die häufigste Ursache dafür ist die Alzheimer-Krankheit.

Maartje de Lint startete einen Versuch für ihre „Base“-Trainings. Das Wort „Base“ steht für „Brain Awakening Singing Education“: Sinngemäß übersetzt heißt das „gehirnanregende Gesangsstunden“. Die demente Mutter einer Grundschulfreundin wurde dafür ihr erstes Gegenüber. „Beim ‚Ave Maria‘ von Franz Schubert hat sie angefangen, mitzusingen und zu dirigieren.“

Inzwischen trainiert die 50-Jährige in Pflegeheimen in den Niederlanden und will nun in Deutschland ebenso aktiv werden, zunächst in Sachsen. Obwohl sie ihre Besuche als Konzerte ankündigt, steht die professionell ausgebildete Sängerin nicht alleine vorn. Vielmehr wird ein Stuhlkreis gebildet und gemeinsam gesungen. Ein Pianist begleitet den Chor. Es gehe nicht darum, dass alle den richtigen Ton treffen oder die passenden Wörter finden. „Die Melodie oder ein ‚Lalala‘ reichen“, sagt Maartje de Lint. Sie geht währenddessen nah an die Menschen heran, nimmt direkten Kontakt auf und fasst auch mal nach einer Hand. „Demente verlieren das Rationale. Aber die emotionale Seite, das Fühlen, bleiben gesund.“ Durch eine leichte Berührung erreiche sie manchmal Menschen, die sehr weit weg scheinen, dann jedoch begeistert mitsingen.

Lieder aus der Kindheit seien im Handlungsgedächtnis abgespeichert. Das greife die Demenz erst sehr spät an, erklärt Eckart Altenmüller. Er ist Neurologe und Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musiker-Medizin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Er verweist auf Untersuchungen, nach denen Verbindungen im Gehirn durch das Singen in einem gewissen Maß wiederbelebt werden können. Denn Singen sei eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit. „Man muss atmen, den Körper aufrichten, die Lippen bewegen, Texte abrufen“, zählt er auf. „Mit dem Singen kann man auch das Fortschreiten der Krankheit aufhalten.“

An einem „Base“-Konzert von Maartje de Lint nehmen durchschnittlich zwölf Demenz-Betroffene teil, deren Angehörige, sechs Pflegende. Dabei geht es nicht nur um ein schönes Erlebnis in Form eines entspannten Nachmittags. „Ich will vor allem zeigen, wie man den Alltag durch das Singen erleichtern kann.“ Die praxisnahe Fortbildung kostet das Heim als Veranstalter etwa 600 Euro und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie das gelingen kann. „Wenn man jemanden duschen muss und der will nicht, dann kann ein Schlager wie ‚Singin’ in the Rain‘ hilfreich sein.“ Oder ein Kinderlied wie „Zeigt her eure Füße“: Einige Patienten, die sich vorher gesträubt haben, lassen sich während des gemeinsamen Singens dann widerstandslos waschen. Die Pflegenden seien von dem Einfluss der Musik oft total überrascht, sagt die Sängerin. „Wie man einen schreienden Patienten ganz einfach beruhigen kann – nur mit einem Lied.“

Damit hat das gemeinsame Singen nicht nur positive Auswirkungen auf die von Demenz Betroffenen, sondern ebenso auf die Pflegenden. Denn der Umgang mit den Patienten wird für viele zunehmend belastender.

„Unsere Gespräche wurden schwieriger. Ihr Reden stockte. Ich habe bemerkt, dass gemeinsames Tun unsere Kommunikation erleichterte. Zusammen zu singen, das war eine spontane Idee“, erinnert sich Max Liedtke, dessen Frau von Demenz betroffen war. Auch nach ihrem Tod besucht der emeritierte Pädagogikprofessor mehrfach in der Woche Schwerstdemente in Pflegeeinrichtungen im Nürnberger Land. Wenn die Runde dann gemeinsam musiziert, verändere sich etwas. Ein Lächeln hier, Tanzbewegungen dort. Ein Wiederaufblühen. Immer wieder auch ein Luftholen beim Personal und bei den Angehörigen. Musik könne Blockaden lösen.

Für die Gesangspädagogin Vera Kimming vom Verein „Singende Krankenhäuser“ ist das Singen vielfältig heilsam. Es kann aktivieren, beruhigen, das Selbstwertgefühl fördern. Der Verein bietet ebenfalls Fortbildungen für Pflegende an, um psychologische Grundlagen zu vermitteln, geeignete Lieder vorzustellen und zu sportlichen Übungen anzuleiten. Inzwischen sind über 60 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch das internationale Netzwerk zur Förderung des Singens in Gesundheitseinrichtungen zertifiziert worden. In Sachsen gibt es noch kein derartig ausgezeichnetes Haus, dafür gelegentlich ehrenamtliches Engagement. „Das ist toll. Aber wir verbinden das Singen durch unseren fachlichen Hintergrund zum Beispiel mit körperlicher Bewegung. Damit erreichen wir eine andere Qualität als beim einfachen Absingen von Liedern“, findet Vera Kimming.

Besser als nur Musik zu hören, sei für die Dementen das aktive Tun, bestätigt Neurologe Eckart Altenmüller. Am besten sei, wenn man zusätzlich die Mobilität der Patienten fördert, durch Klatschen oder Tanzen. Auch in den eigenen vier Wänden soll das gemeinsame Singen hilfreich sein, sagen diese Fachleute. Immerhin wird nur ein Bruchteil der Dementen in Heimen betreut. Etliche leben noch zu Hause und werden dort von Angehörigen gepflegt. An sie richten sich Projekte wie „In mir singt ein Lied“. Unter diesem Titel bietet die Opernsängerin Maartje de Lint ab dem 26. Mai in Leipzig Mitsing-Konzerte an. Ihr Vorhaben wird von der Oper Leipzig, dem Verein „Selbstbestimmt Leben“ und der Pflegekoordinatorin der Stadt unterstützt. Die Generalprobe dazu sei „sehr berührend“ und „die Resonanz überwältigend“ gewesen, berichtet die Pressesprecherin der Oper. Gerechnet hätten sie mit 70 Gästen. Angemeldet hatten sich 150.

Freie Presse, 11. Mai 2018

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Leben mit Extremen

Georg Uecker ist mit einem Tabubruch bekannt geworden: Nachdem er 1990 im deutschen Fernsehen einen Mann küsste, wurde er von Zuschauern mit dem Tod bedroht. Der Darsteller von „Carsten Flöter“ aus der „Lindenstraße“ hat auch privat ein bewegtes Leben. Sein Freund starb an Aids; er selbst bekam die HIV-Diagnose während einer Krebsbehandlung. Das war 1993. Unter dem Titel „Ich mach dann mal weiter!“ ist gestern seine Lebensgeschichte erschienen. Insa van den Berg hat sich mit Georg Uecker über Glücksmomente, Offenheit und seinen berühmten Kuss unterhalten.

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Von Insa van den Berg

Sie mögen „lebensdichte Tage“, wie Sie sie nennen. An denen sich „die Zerbrechlichkeit des Lebens und seine Schönheit wie durch ein Brennglas zeigen“. Wie sieht so ein lebensdichter Tag für Sie konkret aus?

Georg Uecker: Es sind Tage mit Glücksmomenten: intensive Gespräche mit Freunden zum Beispiel, in denen sich Vertrauen zeigt. Für mich kann es auch ein toller Theaterbesuch sein. Man kann zwar den Rahmen schaffen; es passiert aber manchmal auch zufällig. Solche Tage kann man nicht planen. Man merkt oft erst hinterher, dass es so einer war. Sonst würde man schließlich jeden Tag ideal gestalten.

Ihrem Buch haben Sie ein Zitat von Robert Walser vorangestellt. Sie berufen sich auch an anderer Stelle auf bekannte Schriftsteller. Welche Bedeutung hat Literatur für Sie?

Ich würde wahnsinnig gerne 20, 30 verschiedene Leben parallel leben, wenn nicht sogar hunderte. Literatur zeigt solche Möglichkeiten auf, andere Lebensformen, andere Welten. Sie ist oft Inspiration, Unterhaltung, manchmal auch Trost. Sie kann eine Hilfestellung sein und erweitert den Horizont. Mit ihr kann man einen anderen Blick auf die Dinge entwickeln. Wenn man zum Beispiel in einer Blase feststeckt, in der man sich alles so zusammengebastelt hat, wie es einem gerade am besten passt: Literatur bricht diese Blase dann im Idealfall auf. Man hinterfragt also, was man bisher gedacht oder getan hat.

Sie schreiben von dem „Luxusproblem“, das Sie Ihr Leben lang begleitet hat: oftmals zwischen vielen verschiedenen Herausforderungen und Chancen wählen zu können. Sie haben also viel Glück gehabt im Leben – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite haben Sie sehr viel sehr Dramatisches erleben müssen. Wie steht das für Sie im Verhältnis?

Solche Phasen sind Teil des Lebens. Es gibt ja auch andere Leute, die Höhen und Tiefen erlebt haben. Bei mir waren sie halt oft sehr extrem im Ausschlag nach oben und unten. Ich habe das oft als Herausforderung gesehen. Natürlich ging das nicht in den Zeiten, in denen ich ganz unten war. Da habe ich nur gedacht: Schaffe ich das überhaupt? Es gab dann eine Kraft in mir, die gesagt hat: Offensichtlich kannst du das. Die Fähigkeit der Resilienz, der psychischen Widerstandskraft, sorgt dafür, dass man in solchen Situationen über sich hinauswächst.

Sie sind vielseitig interessiert und begabt. Was sind Ihre schlechten Eigenschaften?

(lacht) Das sind ja oft zwei Seiten einer Medaille. Wenn ich sagen würde, ich bin nachtragend, ist das sehr negativ besetzt. Aber ich vergesse tatsächlich wenig, im Guten wie im Schlechten. Ansonsten bin ich unhäuslich. Auf der einen Seite bin ich spontan, lebenslustig und mache es mir schön. Aber auf der anderen Seite habe ich ein sehr entspanntes Verhältnis zu räumlicher Ordnung. Wenn ich zum Beispiel anfange, aufzuräumen: Dann finde ich irgendwas, was ich noch nicht gelesen habe, fange damit an und das war’s dann mit dem Aufräumen. Außerdem bin ich manchmal skeptisch und vorsichtig im Umgang mit Menschen. Bis ich richtig aufmache und mich entspanne, kann es dauern. Weil ich immer überlegen muss: Meint der mich oder das öffentlich vermittelte Bild, was er von mir hat?

Sie sind schwul und haben sich im Alter von 16 Jahren dazu bekannt. Was raten Sie anderen für diesen Schritt?

In meinem Buch versuche ich, nah an mir zu bleiben. Vielleicht können Menschen ja daraus etwas gewinnen, das ihnen Mut macht. Mit Ratschlägen bin ich nämlich sehr vorsichtig. Jede Geschichte ist schließlich anders. Bei manchen sind die Umstände schwieriger, als sie es bei mir waren. Im Kern ist es allerdings oft so, dass Menschen mehr Angst vor ihrem Coming-out haben als nötig. Oftmals ist die Reaktion gar nicht so schlimm. Oder es ist trotz aller Widerstände befreiend. Es ist nämlich tatsächlich sehr entspannend, wenn man kein Doppelleben führen muss. Denken wir beispielsweise an Leute, bei denen am Arbeitsplatz niemand etwas von der Homosexualität wissen soll: Wenn sie dann montags ins Büro kommen, alle irgendwelche Geschichten über das Wochenende erzählen, und sie nur so rumdrucksen. Weil sie Angst haben, etwas zu verraten. Wie anstrengend! Und so ein Verhalten birgt auch die Gefahr, dass die Kollegen einen für langweilig halten.

Sie haben auch mal mit einer Frau geschlafen, obwohl Ihnen da schon klar war: Sie stehen auf Männer. Warum?

Das war die Phase, wo man alles durchprobierte. Auf einer Party – wir waren nicht ganz nüchtern – hat sie mich quasi vernascht. Ich habe vorher klipp und klar gesagt: Ich stehe auf Männer. Aber, wenn du meinst … Ich verspreche nichts, aber das halte ich dann auch.

1990 küsst Ihr „Lindenstraße“- Charakter einen Mann. In der Folge erhalten Sie Morddrohungen, stehen sogar unter Personenschutz. Dabei hatte Carsten Flöter bereits 1987 seinen damaligen Lebensgefährten geküsst. Damals hat das niemanden so richtig aufgeregt. Wie erklären Sie sich das?

Ich kann das bis heute nicht ganz genau erklären. Ich glaube, es hat mit der Intensität und Dauer zu tun. 1987 war der Kuss nur einmal kurz zu sehen, 1990 viel intensiver. Die Kamera war näher dran. Carsten Flöter und Robert Engel küssen sich, ein Hemdknopf geht auf und ein paar andere Szenen später liegen sie im Bett. Dann wissen die Leute ja ungefähr, was dazwischen gewesen sein wird. Außerdem war das wochenlang Thema in der Serie. Das hat offenbar schockiert. Die negativen Reaktionen waren heftig. Die Homophoben waren auch ungewöhnlich viele, aber an der Gesamtzuschauerzahl gemessen ging es sogar noch. Die schweigende Mehrheit fand das gut oder es war ihr egal. Solche Leute rufen dann ja nicht im Sender an.

Beruflich ist es Ihnen von Anfang an ein Anliegen gewesen, Unterhaltung und das ernste Fach zu verbinden. Inwiefern ist Ihnen das gelungen?

Ich arbeite kontinuierlich daran. Es gibt punktuelle Erfolge, wie zum Beispiel viele von meinen Bühnenshows. Dort baue ich tagesaktuelle Geschehnisse ein.

Inwieweit sehen Sie im Fernsehen eine Entwicklung in diese Richtung?

Auch im Fernsehen gibt es inzwischen mehr Mischformate, in denen man nicht mehr so stark zwischen E und U trennt. Man merkt bei jungen Schauspieler-Kollegen, die ohne Probleme Theater und Film machen, dass es da keine großen Berührungsängste mehr gibt. Das Schubladen-Denken löst sich also schon ein bisschen auf.

Seit 2007 zeigte eine Nebenwirkung der HIV-Behandlung sich vor allem in Ihrem Gesicht. Sie wirkten mit einem Mal sehr hager. Fans sorgten sich, die Presse spekulierte. Erst zehn Jahre danach – im Juli 2016 – beschlossen Sie, Ihre Krankengeschichte öffentlich zu machen. Warum haben Sie so lange gewartet?

Es war schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Man darf nicht vergessen, dass man als öffentliche Person so etwas ja gleich doppelt bekennen muss. Zum einen vor Freunden und Familie, zum anderen vor der Öffentlichkeit. Bei mir war es so, dass meine Freunde, Familie und Arbeitgeber das alle lange wussten. Ich habe nämlich eigentlich kein großes Geheimnis aus meiner Erkrankung gemacht. Ich habe es nur nicht so öffentlich erklärt. Dann kam der Punkt mit den ganzen Spekulationen, Halb- oder Unwahrheiten. Ich hatte keine Lust, darauf zu reagieren. Ich agiere lieber. Die Schrauben wurden dann ordentlich angezogen nach dem Motto: Irgendwann redet der mit uns. Und da kann ich dann ja extrem bockig werden. Ich habe also beschlossen, das auszusitzen. Irgendwann mit meinen Worten in meiner Zeit mit den Medien zu sprechen, mit denen ich möchte. Im Gespräch mit zwei Journalisten des Magazins „Schwulissimo“ im Sommer 2016 war es soweit. Da war diese Frage nur ein Bestandteil des ganzen Gesprächs. Das fand ich richtig. Denn mein Gesundheitszustand ist ja nur ein Teil meines Lebens. So wurde das auch in dem Interview gehandhabt – als ein Aspekt. Das hat mir gefallen. Entspannt und beiläufig, aber offen.

Warum dann jetzt Ihr Buch?

Ich habe nicht geahnt, dass mein öffentliches Bekenntnis so hohe Wellen schlagen würde. Es gab viele Reaktionen, teils sehr bewegend. Dann kam auch ein Haufen Interviewanfragen. Ich habe überlegt, ob ich die alle einzeln beantworten soll. Stattdessen habe ich mich erstmal zurückgezogen und dieses Buch geschrieben, und zwar die ganze Geschichte.

Freie Presse, 23. Februar 2018

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Freier Tag fürs Babyschwimmen

Volle Leistung im Beruf und gleichzeitig die Kinder gut versorgt – das wünschen sich viele junge Eltern. Das kann aber nur gelingen, wenn der Arbeitgeber auf individuelle Wünsche eingeht.

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Von Insa van den Berg

Marie-Christine Lipka arbeitet für die Personalentwicklung bei der Versicherung „Volkswohl-Bund“ in Dortmund. Sie erwartet Anfang April ihr erstes Kind. Nach der Elternzeit will sie ins Unternehmen zurückkehren. Während andere werdende Eltern sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen, bleibt sie entspannt. „Auf die jeweiligen Bedürfnisse der Mitarbeitenden wird hier sehr geachtet. Wir haben allein 124 verschiedene Teilzeit-Modelle.“

Für einige Mitarbeiter ist es wichtig, mittwochs fürs Babyschwimmen frei zu haben. Für andere ist es nötig, das Haus täglich um 15 Uhr verlassen zu können, weil ab dem Nachmittag ein pflegebedürftiger Angehöriger betreut werden muss. Die Versicherung mit mehr als 550 Beschäftigten ist im November von der Initiative „Total E-Quality Deutschland“ für ihr Gleichstellungsengagement ausgezeichnet worden. Personalentwicklerin Lipka vom „Volkswohl-Bund“ sagt: „Wir setzen uns dafür ein, weil wir unsere Mitarbeiter halten wollen und nicht zuletzt auch gemerkt haben, dass sie bei guten Arbeitsbedingungen bessere Leistung erbringen.“

Oftmals seien es Betriebe im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen oder die öffentliche Verwaltung, die sich für eine bessere Vereinbarkeit stark machen. Familienfreundlich könnten aber Unternehmen nahezu jeder Größe und Branche sein, sagte eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Auch solche Unternehmen mit hohen Flexibilitätsanforderungen wie Dienstreisen und Rufbereitschaft.“ Es komme auf den betrieblichen Gestaltungswillen an.

Laut der Studie „Partnerschaftliche Vereinbarkeit – Die Rolle der Betriebe“ des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) arbeiten in Deutschland derzeit etwa 20 Prozent der Eltern kleiner Kinder in familienfreundlichen Betrieben. Wenn dem nicht so ist, sind vor allem Frauen von der schlechten Vereinbarkeit betroffen, belegt der Familienreport 2017 des Bundesfamilienministeriums: Oftmals übernehmen sie die Fürsorgepflichten für Kinder und ältere Angehörige.

Yvonne Ziegler, Betriebswirtin an der Frankfurt University of Applied Sciences, forscht zu Karrierechancen und -hindernissen von berufstätigen Müttern. Nach ihren Erkenntnissen wünschen sich Schwangere, dass das Unternehmen mit ihnen gemeinsam nach einer Vertretung sucht und dass der Betrieb ihnen Möglichkeiten zur Kontaktpflege während der Elternzeit anbietet.

Vielfach gelten flexiblere Arbeitszeiten oder Teilzeit als Patentrezepte, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Davor warnt die Psychologin Kathrin Dewender vom Dortmunder Coachingunternehmen „a tempo“. Denn Teilzeit könne Arbeitnehmer in finanzielle Engpässe bringen. „Einen pauschalen Rat gibt es nicht. Wichtig sind vor allem enge Absprachen. Eine frühzeitige, realistische Planung ist die halbe Miete.“ Wenn klar sei, wann der Mitarbeiter mit wie vielen Wochenstunden wiederkomme, könne die Übergangs- und Folgezeit deutlich besser geplant werden.

Außerdem werden Forderungen nach einem gesellschaftlichen Wandel laut: Dazu zählen zum Beispiel bessere Betreuungseinrichtungen für Kinder – mit längeren Öffnungszeiten und ausgebautem Bildungsangebot. Christa Katharina Spieß vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) fordert, mehr in die öffentliche Kinderbetreuung zu investieren und diese stärker auf den Bedarf der Familien auszurichten. „Wenn das Kind gut betreut ist, macht es das für Eltern leichter.“

Evangelischer Pressedienst, 2. Februar 2018

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Sehbehinderte Berlinerin setzt sich für „barrierefreie“ Filme ein

Dass sie so leidenschaftlich gerne ins Kino geht, irritiert immer wieder Menschen. Eine Blinde zwischen all den popkornkauenden Zuschauern im Plüschsessel, die auf die Leinwand starren? Ein Taxifahrer hat Barbara Fickert einmal gefragt, ob sie nur spielt. Ob sie womöglich nur vorgibt, nichts sehen zu können. Anders konnte er sich nicht helfen. Denn einen Fahrgast mit Blindenstock ins Kino zu bringen, das erschien ihm absurd.

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Von Insa van den Berg

Barbara Fickert ist Mitte 50, lebt in Berlin und ist von Geburt an hochgradig sehbehindert. Und sie liebt das Kino – schon seit Kindertagen. Sie schätzt die Atmosphäre und die Akustik im Saal, seitdem ihre Eltern sie das erste Mal mit ins Kino nahmen. Damals hat Barbara Fickert sich den Inhalt der Filme anhand der Dialoge der Schauspieler erschlossen. Das klappte mal mehr, mal weniger gut. Es war exrem abhängig davon, wie viel die Darsteller sprachen. Vieles, was Sehende wahrnehmen, auch wenn es unerwähnt bleibt, ging jedoch verloren: Blicke, Gesten, Handlungen, Perspektiven. Lange Einstellungen eines Sonnenuntergangs sind nun mal ziemlich öde für jemanden, der Rosa, Lila oder Orange nicht wahrnehmen kann und dem niemand erklärt, was es dramaturgisch damit auf sich hat.

Das hat sich geändert. Denn mit ihrem Smartphone hat Barbara Fickert nun die Möglichkeit, sogenannte „barrierefreie“ Fassungen zu erleben. Damit sind Kinobesuche für die Berlinerin zu noch intensiveren Ereignissen geworden. Barrierefrei für Sehhinderte bedeutet, dass es Audiodeskriptionen gibt. Sie beschreiben das Geschehen auf der Leinwand – und zwar immer dann, wenn nicht gesprochen wird. Zum Beispiel: „Die blonde Frau zieht die Stirn kraus und wendet sich ruckartig von ihrer Freundin ab“, „Der Schwimmer zieht seine fünfte Bahn durch das aufgewühlte Wasser“ oder „Eine Ameise zerlegt emsig ein Blatt, um es transportieren zu können“. Ein Filmbeschreiber erläutert Sehbehinderten alles, was leise und unkommentiert vor sich geht. Um ein Stimmengewirr zu vermeiden, haben die Darsteller auf der Leinwand Vorrang. Wenn sie pausieren, hakt der Beschreiber ein. Geräusche wie etwa ein Telefonklingeln werden dabei schon einmal übersprochen, wenn es ansonsten nicht ausreichend Pausen gibt.

„Die Audiodeskriptionen sind eine gute Möglichkeit für Blinde und Sehbehinderte, am kulturellen Leben teilzuhaben. So können sie mitreden, wenn andere über einen aktuellen Film sprechen“, sagt Claudia Schaffer vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV). „Außerdem haben sie die gleichen Bedürfnisse nach Unterhaltung wie Sehende. Deshalb ist es auch so wichtig, dass nicht nur Filme über Blindheit mit Audiodeskriptionen versehen werden, sondern eben auch Publikumsmagneten wie beispielsweise der neue ,Star Wars‘.“

Barbara Fickert ruft solche Audiodeskriptionen mithilfe einer App mit Namen Greta ab, die sie auf ihrem Handy installiert hat. Sie bietet hundert barrierefreie Fassungen von Actionfilmen, Dramen und Komödien , derzeit zum Beispiel „Fack ju Göhte 3“, „Thor – Tag der Entscheidung“, „Simpel“ oder das neue Pixar-Abenteuer „Coco“. Für die Nutzer ist dieser Service kostenfrei und mithilfe eines eigenen Smartphones und Kopfhörern in jedem Kino, bei jeder Vorstellung verfügbar. Bevor Barbara Fickert ins Kino geht, lädt sie also die passende Hörbeschreibung auf ihr Mobiltelefon herunter.

Und wo ihr früher Freunde all das zuflüstern mussten, was sie nicht mitbekam, souffliert ihr nun exklusiv ein kleiner Mann im Ohr; sie kann die Lautstärke selbst bestimmen und geht keinem auf die Nerven. All das, sagt sie, erschließe ihr das Kinoerleben völlig neu. Und so nachhaltig, dass sie in ihrem Blog Blindgängerin Filmrezensionen schreibt.

Im November war sie in dem Zusammenhang auch Gast beim 60. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK). Denn auch Filmfestivals öffnen sich zunehmend für ein sehbehindertes Publikum, indem sie Hörbeschreibungen anfertigen lassen. Diese dürfen dann teilweise auch weiterverwendet werden: Die in Leipzig vorgestellte und mehrfach ausgezeichnete Dokumentation „Wildes Herz“ etwa, in der sich der Schauspieler Charly Hübner in seinem Regie-Debüt der Punkband Feine Sahne Fischfilet nähert, wird ab April 2018 deutschlandweit in den Kinos zu sehen sein – mitsamt Audiodeskription.

Seit vier Jahren fördert die deutsche Filmförderungsanstalt Produktionen nur dann, wenn Audiodeskriptionen für Sehbehinderte hergestellt werden. Das ist ein aufwendiger Prozess, erklärt Marit Bechtloff, Vorsitzende von Hörfilm e.V., der Vereinigung deutscher Filmbeschreiber: „Wir müssen dafür zunächst ein Manuskript erstellen. Ein blinder Redakteur überprüft, ob die Beschreibungen verständlich genug sind. Falls es nötig ist, wird das Skript überarbeitet. Ein professioneller Sprecher spricht die Endfassung dann im Tonstudio ein.“ Und manchmal kommt der fertige Film erst so kurz vor dem Kinostart zu den Beschreibern, dass das alles auch noch unter Zeitdruck geschehen muss.

Der Aufwand ist natürlich nicht ganz billig: Mehrere tausend Euro kostet es im Durchschnitt, eine Hörbeschreibung für einen Film zu produzieren. Der Preis richtet sich zudem nach der Länge des Films und ob es zum Beispiel viele stille Passagen gibt. „Es gibt unterschiedliche Qualitätsstandards und leider auch Beschreibungen, mit denen kein Blinder etwas anfangen kann“, meint Bechtloff. Die Kosten für die Audiodeskription trägt der Produzent des Films oder der Filmverleih, der die Kopien in die Kinos bringt. Und nur wenn die Leute von Greta von diesen beauftragt und bezahlt werden, landen die betreffenden Filme im Angebot der App. Welche Filme das sind, entscheiden deren Macher selbst. So erhalten Filme, die nicht über das Filmförderungsgesetz gefördert werden, seltener eine barrierefreie Fassung. Dann hängt es am eingenommenen Geld, ob der Aufwand sich aus Sicht der Hersteller oder des Vertriebs lohnt. „Also, wie groß das Publikum sein wird und ob der Film finanziell genug einspielen kann“, sagt Johannes Klingsporn vom Verband der Filmverleiher. Inzwischen gibt es internationale Filmriesen wie Universal Pictures, Warner Bros. Disney oder 20th Century Fox, die diese Kosten freiwillig tragen, um barrierefreies Kino zu ermöglichen.

Für Barbara Fickerts Geschmack sind es allerdings noch zu wenige Produktionen aus dem Ausland. Eher künstlerisch ambitionierte, mit schmalem Budget und abseits der großen Filmstudios gedrehte Projekte – und das sind oft die besonders interessanten – können die Kosten für barrierefreie Versionen oft nicht aufbringen. Deshalb hat sie vor rund einem Jahr zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jürgen Schulz, „dem Adlerauge der Familie“, wie sie sagt, die „Kinoblindgänger gemeinnützige GmbH“ gegründet, um mit Hilfe von Spenden auch Arthouse- und Independent-Filme für Sehbehinderte zu erschließen. Fünf Projekte konnten die beiden so schon stemmen, darunter das für den Oscar nominierte Animationsabenteuer „Mein Leben als Zucchini“ und die schwedische Weihnachtskomödie „Eine schöne Bescherung“, die kürzlich auch auf DVD erschien – inklusive der von Kinoblindgänger produzierten barrierefreien Fassung. Dazu gehören neben der Audiodeskription im Übrigen auch erweiterte Untertitel für Gehörlose. Menschen, die zwar alles sehen können, dafür aber nichts hören, gehört Barbara Fickerts ganze Solidarität. „Ich weiß ja, wie blöd es ist, im Kino nichts mitzukriegen“, sagt sie.

Berliner Zeitung, 2. Januar 2018

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